Weimarer Experte: "Wischiwaschi-Erziehung macht Hunde gefährlich"

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Die 50-Jährige wollte eigentlich nur freundlich sein. Und dem fremden Schäferhund, der ihr beim Spaziergang entgegenkam, zeigen, dass sie ihm wohlgesonnen war. Doch kaum hatte sie den Kopf des angeleinten Tieres mit beiden Händen umfasst, schnappte der Hund zu.

Die Frau erlitt schwere Gesichtsverletzungen und musste am vergangenen Sonntag mit dem Rettungshubschrauber in eine Jenaer Klinik gebracht werden.

Dass die 50-Jährige einen Fehler begangen hat, als sie sich dem fremden Tier spontan in einer aus dessen Sicht bedrohlichen Körperhaltung näherte, steht für den Weimarer Hundeexperten Thomas Kümmel außer Frage. "Auch Hunde legen Wert darauf, dass man zu ihnen Abstand wahrt - mindestens einen Meter. Außerdem sollte man Hunde, wenn man Kontakt zu ihnen aufnehmen will, möglichst schon von Weitem ansprechen und ihren Besitzer fragen, ob man sich ihnen nähern darf", sagt Kümmel, der seit Jahrzehnten mit seiner Frau Susanne eine Hundeschule in Weimar-Schöndorf betreibt. "Hunde wollen nicht ständig bedrängt werden."

Aus Kümmels Sicht hat sich aber auch die Halterin oder der Halter des Schäferhundes nicht korrekt verhalten: "Sie oder er hätte viel früher reagieren und eingreifen müssen." FürKümmel ist die ausgebliebene Intervention Beleg dafür, dass Hundehalter ihre Tiere heute zu selten mit der nötigen Konsequenz und Strenge erziehen. "Stattdessen denken sie nur daran, wie sie mit ihrem Hund spielen und ihn bespaßen können. Doch zur Erziehung gehört auch ein gewisser Zwang - und nicht nur das Leckerli, wenn das Tier etwas gut gemacht hat. Der Hund muss lernen, bestimmte Dinge zu unterlassen."

"Nein ist Nein, Aus heißt Aus"

Der Weimarer Hundeexperte sagt, dass es aus seiner Sicht seit etwa zehn Jahren "eine falsche Entwicklung in der

Hundeerziehung gibt. Ein Hund muss sich unterordnen - und diese Unterordnung muss ihm vermittelt werden. Ein Nein ist ein Nein, und Aus heißt Aus - das kann man trainieren." Das sei auch wichtig im Hinblick auf die artgerechte Haltung. "Doch leider ist der Hund heute für viele eine Art Ersatz - beispielsweise für einen Partner oder Kinder. Klassische Verbotskommandos werden nicht mehr durchgesetzt, stattdessen gibt es eine Wischiwaschi-Erziehung mit fatalen Folgen", meint Kümmel.

Dabei sei es unerlässlich, dass ein Hund die Kommandos beherrsche. Gerade in einer Extremsituation, wie es nicht nur die Begegnung mit fremden Menschen eine ist, sondern auch die Begegnung mit Artgenossen. Thomas Kümmel hat beobachtet, dass Hunde heute auch bei der Begegnung mit anderen Hunden oft deutlich aggressiver reagieren als früher.

Die Thüringer Beißstatistik für die vergangenen beiden Jahre bestätigt den Weimarer Hundeexperten in der Ansicht, dass die Gefährlichkeit eines Hundes nicht von seiner Rasse abhängt, sondern von dessen Sozialisation und vom Kenntnisstand des Halters. Es sind demnach nicht die Kampfhunde, auf deren Konto die meisten Bissattacken im Freistaat gehen, sondern die Schäferhunde - jene Rasse, der in Thüringen immerhin jeder zehnte gemeldete Hund angehört. Tiere der Rassen Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier sowie Bullterrier und deren Kreuzungen untereinander und mit anderen Hunden zählen nach dem Thüringer Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor Tiergefahren vom Juni 2011 zu den gefährlichen Tieren - aus Kümmels Sicht ein großer Fehler, weil die Regelung unterstellt, dass ein Tier dieser Rasse gefährlich ist, und außer Acht lässt, dass im Grunde jeder schlecht erzogene Hund zu einer Gefahr für seine Umwelt werden kann.

 

Elisabeth Wieden

WOHLFÜHL-COACH
für MENSCH & TIER

PERSÖNLICHE BERATUNG
INDIVIDUELLE BETREUUNG
KOMPETENTE BEGLEITUNG

* Kinesiologin nach KOPKIN®
* Humanenergetikerin
* dipl. Fitness- und Aerobictrainerin
* in Ausbildung zur dipl. Gesundheitspädagogin

* dipl. Tier-Kinesiologin u. Energetikerin
* Hunde-Vitalcoach
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