Nahrungsergänzungsmittel – sinnvoll oder sinnlos?

Bei einer Pro und Contra-Sitzung am DGIM-Kongress (Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin) konnten man sich zumindest auf einen kleinen Nenner einigen: Bei Vitamin D und Jod reicht die normale Ernährung in unseren Breiten zur Deckung des Bedarfs nicht aus, Schwangere brauchen Folsäure. Bei anderen Vitaminen und Mineralstoffen herrschte Uneinigkeit.

Professor Hans Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim sieht Nahrungsergänzungsmittel als Vorbeugungsmaßnahme, in erster Linie bei Menschen mit erhöhtem Bedarf an Mikronährstoffen oder eingeschränkter Zufuhr.

Ich glaube, dass heutzutage die allermeisten Menschen einen erhöhten Bedarf an sehr vielen Vitalstoffen haben, bzw. die Zufuhr optimieren sollten. Zum einen weil unsere Haupt-Vitaminlieferanten (Obst, Gemüse) meist durch zu frühe Ernte, lange Transportwege und falsche Lagerung kaum die notwendige Menge an Vitaminen liefern können, zum anderen weil auch der Rest unserer Lebensmittel meist nicht mit dem nötigen Respekt und der Achtsamkeit behandelt wird, wie es jedes Lebewesen (egal ob Tier oder Pflanze), dass uns zu Nahrungszwecken dient, verdient hätte. Wir vergewaltigen unsere Lebensmittel mit Giften, Medikamenten und anderem Dreck. Diesen Cocktail nehmen wir mit jedem Mal essen zu uns, was den Körper dazu veranlasst, den Mist wieder los zu werden, wodurch er aber viele der Vitalstoffe benötigt, die dann wiederum nicht für die eigentliche Sache verwendet werden können…. Außerdem spielt Stress bei den meisten Menschen eine große Rolle, was für den Körper ebenfalls einen erhöhten Bedarf an Vitalstoffen bedeutet. Und dann möchte ich noch die generell sehr ungesunden Essgewohnheiten, Übergewicht, Alkohol, Nikotin, Medikamente und alle Umweltgifte erwähnen…

Also, wenn man nicht über eine außerordentlich gute Lebensmittelquelle verfügt, oder sein Essen selber anbaut/produziert, sollte man meiner Meinung nach über Nahrungsergänzungsmittel nachdenken. Ebenfalls sollte man darüber nachdenken, wenn man ein stressiges Leben führt, wenn man raucht, trinkt, übergewichtig ist, Medikamente nimmt und/oder ständig Umweltgiften ausgesetzt ist…. Ich denke das sind fast alle…

Häufig werden Nahrungsergänzungsmittel, kurz NEM, mit Medikamenten verwechselt. Rein rechtlich betrachtet fallen sie aber in die Gruppe der Lebensmittel. Unbedenklich ist die Einnahme aber nicht, da es durchaus zu Überdosierungen oder Wechselwirkungen kommen kann. Es lohnt sich daher, sich wirklich gut zu informieren und eine Blutuntersuchung kann hilfreich sein, bei der Ergänzung gezielter vorzugehen.

Im Januar 2012 titelte der SPIEGEL „Die Vitamin-Lüge – Das Milliardengeschäft mit überflüssigen Pillen“. Darin wurde aufgezeigt, wie oft durch die Einnahme eines isolierten Vitamins das Krankheitsrisiko von Studienteilnehmern erhöht wurde, obwohl man etwas ganz anderes bezwecken wollte.

Die meisten der überdosierten Nährstoffe wie z.B. Biotin und Vitamin C sind weniger problematisch, da diese wasserlöslich sind und über die Nieren ausgeschieden werden. Auf Dauer ist ein Zuviel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen aber nicht ungefährlich. Dazu kommt, dass es bei Nahrungsergänzungsmitteln auch zu Wechselwirkungen kommen kann. Es sollte auch abgeklärt werden, ob Medikamente eingenommen werden und Allergien oder Unverträglichkeiten bestehen.

Was lernen wir daraus? NEM sollten nach gezielter Feststellung eines Nährstoffmangels in Rücksprache eines Arztes oder Heilpraktikers eingenommen werden.

In folgenden Situationen ist in jedem Fall mit erhöhtem Bedarf zu rechnen!

·       Bei Sonnenmangel im Winter: Vitamin D-Mangel

·       In der Schwangerschaft: erhöhter Bedarf an Vitamin B9 (Folsäure), DHA-Omega-3-Fett und Eisen.

·       Vegane / strenge vegetarische Kost: Vitamin B12 ist ausschließlich in tierischen Produkten sowie den Mikroorganismen in Erde enthalten. Wer auf Fleisch, Eier und Co. verzichtet, sollte unbedingt auf eine Ergänzung mit Vitamin B12 achten.

·       Therapie (und Prävention) von Krankheiten: tausende Studien mit potenten Pflanzenstoffen legen nahe, dass man hiermit positiven Einfluss auf entzündungsgeprägte Krankheitsbilder und sogar Krebs nehmen kann.

·       Einen gesteigerten Bedarf an Mikronährstoffen haben auch adipöse Menschen (Vitamine D, B12, Folsäure, Mg, Fe, Cu, Zn) sowie Patienten mit COPD und mit Krebs. Eine verringerte Resorption ist bei Patienten mit Kurzdarm und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu berücksichtigen.

·       Senioren: Defizite bestehen hier vor allem bei den Vitaminen A, B und D.

NEM sollten kein Ersatz für eine unausgewogene Ernährung sein! Die Lebensmittel trotz Einnahme von NEM, weise zu wählen sollte selbstverständlich sein!

Als Nachteil von Nahrungsergänzugen kann erwähnt werden, dass es zu wenige Daten zur langfristigen Sicherheit von NEM gibt. Nicht einmal die optimale Dosierung sei bekannt und wegen großer individueller Unterschiede oft auch schwer zu klären.

Für sekundäre Pflanzenstoffe existieren keine Referenzwerte und der Versorgungsstatus in der Bevölkerung sei nicht zu bewerten, eine Zufuhr solcher Wirkstoffe also nicht wissenschaftlich begründbar.

Ich, als fast ausschließlich vegan lebende Person möchte nicht auf Nahrungsergänzungsmittel verzichten. Lieber wäre es mir aber, wenn ich wieder alles essen könnte, was die Natur zu bieten hat, ohne mich dabei selbst zu vergiften, aber das wird’s in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr spielen.

Quellen:

https://www.aerztezeitung.de/panorama/ernaehrung/article/934791/pro-contra-nahrungsergaenzungsmittel-sinnvoll-unsinn.html

https://www.gesundheit.gv.at/aktuelles/archiv-2013/nahrungsergaenzungsmittel

https://www.original-bootcamp.com/blog/nahrungsergaenzungsmittel.html

Foto: pixabay

Elisabeth Wieden

* Kinesiologin nach KOPKIN®
* Humanenergetikerin
* dipl. Fitness- und Aerobictrainerin
* in Ausbildung zur dipl. Gesundheitspädagogin

* Hunde-Vitalcoach
* dipl. Tier-Kinesiologin u. Energetikerin
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